Ein gutes Unternehmen ist nicht nur profitabel. Es ist auch verständlich.

Dnes

Zpátky

Auf den ersten Blick scheint ein erfolgreiches Unternehmen vor allem eines zu sein: profitabel. Es erzielt gute Ergebnisse, verfügt über stabile Kunden, wächst gesund und funktioniert im Alltag. Genau an diesem Punkt beginnt jedoch oft eine gewisse Blindheit. Denn ein Unternehmen, das profitabel ist, ist noch nicht automatisch ein Unternehmen, das verständlich ist.

Gerade diese Verständlichkeit gehört oft zu den Faktoren, die langfristig darüber entscheiden, ob ein Unternehmen auch in anspruchsvolleren Situationen bestehen kann, in Phasen des Wandels oder dann, wenn es in eine neue Etappe eintritt.

Ein verständliches Unternehmen ist nicht zwangsläufig ein einfaches Unternehmen. Es ist ein Unternehmen, in dem die Dinge nachvollziehbar sind. Es ist klar, wer wofür entscheidet, wie die Eigentumsverhältnisse ausgestaltet sind, wie Vermögen, Führung und Verantwortung zusammenhängen und wohin sich das Unternehmen eigentlich entwickelt. Mit anderen Worten: Es ist ein Unternehmen, das sein Eigentümer versteht, das seine Führung versteht und das auch für Außenstehende nachvollziehbar ist.

Diese Klarheit hat eine deutlich größere Bedeutung, als es zunächst den Anschein macht.

Sobald ein Unternehmen wächst, in neue Märkte eintritt, seine Struktur verändert, Investoren anspricht oder beginnt, sich mit seiner Zukunft zu befassen, reicht es nicht mehr aus, dass „es irgendwie funktioniert“. In solchen Momenten zeigt sich, ob das Unternehmen auf einem tragfähigen Fundament steht oder ob es lediglich gelernt hat, den Alltag gut zu improvisieren. Viele Unternehmen wirken nach außen stabil, werden intern jedoch von informellen Absprachen, historischen Entscheidungen und nie wirklich geklärten Beziehungen zusammengehalten. Solange sich nichts ändert, bleibt das oft unsichtbar. Sobald jedoch ein wichtiger Wendepunkt eintritt, treten diese Unklarheiten sehr schnell zutage.

Die Verständlichkeit eines Unternehmens hat mehrere Ebenen.

Die erste ist die interne Ebene. Also die Frage, ob das Unternehmen sich selbst versteht. Ist klar, welche Prioritäten gelten, wo die wesentlichen Entscheidungen getroffen werden, welche Rollen die einzelnen Personen haben und wie Eigentum, operatives Geschäft und finanzielle Zusammenhänge ineinandergreifen? Unternehmen, die intern unklar aufgestellt sind, hängen häufig stark von einer einzigen Person ab. Der Inhaber weiß alles, entscheidet alles und hält alles mit seiner persönlichen Energie zusammen. Das kann erstaunlich lange funktionieren. Es bedeutet jedoch nicht, dass das Unternehmen wirklich auf die Zukunft vorbereitet ist.

Die zweite Ebene ist die externe. Also die Frage, wie das Unternehmen nach außen wirkt. Nicht im Sinne von Marketing, sondern im Hinblick auf Struktur, Logik und Glaubwürdigkeit. Wenn ein Unternehmen mit einem Investor, einer Bank, einem Partner oder einem potenziellen Nachfolger sprechen will, muss es in der Lage sein, sich selbst verständlich darzustellen. Es reicht nicht, Zahlen vorzulegen. Es muss auch erklären können, wie es aufgebaut ist, worin sein tatsächlicher Wert liegt, welche Risiken bestehen und warum seine Struktur auch mit Blick auf die Zukunft sinnvoll ist.

Und dann gibt es noch eine dritte Ebene, die oft die sensibelste ist: die Beziehung zwischen dem Unternehmen, dem Vermögen und den persönlichen Vorstellungen des Eigentümers. In vielen Fällen entsteht ein Unternehmen nicht losgelöst vom Leben des Menschen, der es aufgebaut hat. Im Gegenteil. Oft ist es viel enger mit dieser Person verbunden, als sie selbst wahrhaben möchte. Genau deshalb ist Unklarheit im Unternehmen häufig auch Ausdruck von Unklarheit über die Zukunft. Was soll im Unternehmen bleiben? Was sollte getrennt werden? Was ist noch eine operative Entscheidung und was ist bereits eine Entscheidung über Vermögen, Familie oder die Zukunft? Wenn es auf diese Fragen keine klaren Antworten gibt, kann ein Unternehmen zwar profitabel sein, gleichzeitig aber auch fragil.

Ein verständliches Unternehmen schafft dagegen Raum für ruhigere und bessere Entscheidungen. Nicht, weil es frei von Risiken wäre, sondern weil die Dinge klar benannt sind. Eigentumsverhältnisse sind nicht unklar. Rollen bleiben nicht unausgesprochen. Vermögenswerte sind nicht zufällig verteilt. Die Zukunft ist kein aufgeschobenes Thema. Ein solches Unternehmen lässt sich leichter führen, leichter übergeben, leichter verkaufen und leichter schützen.

Deshalb sollten sich Unternehmer nicht nur fragen, ob ihr Unternehmen profitabel ist. Sie sollten sich auch fragen, ob ihr Unternehmen nachvollziehbar ist. Ob sie es jemand anderem klar erklären könnten. Ob es auch ohne die tägliche Präsenz der Person bestehen würde, die es heute zusammenhält. Und ob es so aufgestellt ist, dass es nicht nur heute, sondern auch in einigen Jahren noch Sinn ergibt.

Profitabilität zeigt, wie ein Unternehmen wirtschaftet. Verständlichkeit zeigt, wie fest es steht.

Und der Unterschied zwischen beidem ist oft größer, als es auf den ersten Blick scheint.